Waiting for Stars

Filipp Rosbach Galerie, 14. Januar – 18. Februar 2012

Verena Landau geht es in ihrer Malerei um Zugänge zur Wirklichkeit, um ein Abgleichen von Wahrnehmung und Realität, um das Verhältnis zwischen Innen- und Außenraum, um die Spannung zwischen Bildraum und Ausstellungsraum. In vergangenen Werkgruppen fokussierte Landau Grenzziehungen im urbanen Raum: Sicherheitskontrollen auf Flughäfen, Eingänge von Hauptaktionärsversammlungen, Messen und Kunstinstitutionen. Diese Portraits gesichtsloser Orte mit vereinzeltem Personal ließen sich durch die Abwesenheit des Sozialen charakterisieren. Nach der Beteiligung an einer Ausstellung mit dem Titel »Still Missing: Beauty absent Social Life«, kuratiert von Tom Huhn im Jahr 2006 (School of Visual Arts, New York) stellte sie die Frage nach der Umkehrung dieser Thematik: Wie ließe sich die Anwesenheit des Sozialen heute künstlerisch darstellen, ohne in Sozialromantik zu verfallen?


Waiting for Stars

Seit diesem Wendepunkt werden Landaus Bildwelten stärker bevölkert. Nicht mehr vereinzelte Passagiere auf ihrem Weg durch Transitorte oder Nicht-Orte sind hier unterwegs. Zu sehen sind nun Personengruppen, die auf irgendetwas warten, das nicht einzutreten scheint. Wie in der Bewegung eingefroren wirken diese Zuschauer, gebannt starren sie auf Flächen, die einen Raum simulieren. Die flüchtigen Passagiere sind zu Touristen mutiert, sie warten auf Stars, auf Sterne, die auf einer digitalen Bildfläche generiert werden, auf das Erscheinen von Akteuren oder auf ein Ereignis, das die Situation zum Kippen bringt.Geboren ist sie 1965 in Düsseldorf. Von den Absolventen der dortigen Akademie schätzte sie in den 80ern am ehesten Punkplattencover, Beuys imponierte ihr vorrangig als Grüner. Nach einer Buchbinderlehre verkaufte sie, was sie besaß, und brach mit 6000 Mark nach Florenz auf. Erstes Ziel: Italienisch lernen ohne deutschen Akzent. Eine Ausstellung im Palazzo Pitti geriet zum Schlüsselerlebnis. So malen können wie die Alter Meister wollte sie auch. Aufgewachsen mit Kunst, hat sie stets viel gezeichnet. Nur fehlte ihr damals die Technik, innere und äußere Wirklichkeit adäquat abbilden zu können. In Florenz suchte sie sich eine Schule, die lehrte, realistisch zu malen. Drei Jahre verbrachte sie in den "Charles Cecil Studios", freute sich, unter Gleichgesinnten zu sein, und lebte davon,


Wound Up

Diese Wandinstallation* basiert auf einer assoziativen Bildsammlung zu den Themen soziale Abgrenzung, Gruppenzugehörigkeit und Widerstand. Das über einen längeren Zeitraum gesammelte Bildmaterial speist sich aus unterschiedlichen Quellen und Genres, teils eigene Fotografien und Videostills von alltäglichen Beobachtungen und Reisen, teils Filmstills und Pressefotos anderer Autoren. Erstmalig treffen sich hier drei Spuren, die Verena Landau in ihren Malerei-Projekten der letzten Jahre parallel verfolgte: die Auseinandersetzung mit sozialen Grenzziehungen, das Verhältnis von Einzelpersonen und Gruppen zum sie umgebenden Raum und die Inszenierung von Beziehungen und Konflikten zwischen Individuen und Gruppen in Spielfilmen.

Der malerische Zugriff gestaltet sich je nach Ausgangsmaterial unterschiedlich. Während Landau einige zunächst banal erscheinende Alltagssituationen versucht, möglichst genau abzubilden, um tiefere Schichten freizulegen, nähert sie sich den filmischen Bildern emotionaler – persönliche Inhalte und Assoziationen fließen ein.

»Wound Up« bearbeitet folgende formale und inhaltliche Fragen: Wieviel Abstraktion ist notwendig, um den Eindruck einer Menschengruppe oder Menge zu erzeugen – als eine Art Raster/Muster oder als eine Versammlung einzelner Individuen? Ist es möglich, eine Gruppe und deren einzelne Individuen gleichzeitig und gleich intensiv wahrzunehmen? Welchen Rhythmus von Verdichtung und Vereinzelung brauchen funktionierende Gemeinschaften?
 


* Die Wandinstallation wurde erstmalig gezeigt in der Ausstellung »Die Einen, die Gleichen und die Anderen – Teilhabe und Ausgrenzung im Arbeits- und Bildungsleben«, 10.-18.09.2011, Berufsschulzentrum 7, Leipzig, kuratiert von Stefan Kausch, Bertram Haude, Susanne Kaiser, Sarah Linke, Sarah Stein, Arbeitsgruppe »Engagierte Wissenschaft e.V.«

Verena Landau, geboren 1965 in Düsseldorf, lebt und arbeitet in Leipzig. 1994-99 studierte sie Malerei/Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig. Im Jahr 2003 erhielt sie ein Stipendium der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen. Seit 2008 ist sie künstlerische Mitarbeiterin am Institut für Kunstpädagogik der Universität Leipzig. Ausstellungen u.a.: Galerie für Zeitgenössische Kunst, Leipzig, Deutsches Historisches Museum Berlin, Museum Krolikarnia-Palais, Warschau (Polen), Muzeul de Artă, Timisoara (Rumänien), School of Visual Arts, New York City (USA).

Verena Landau